Masken vom Winterstaub befreit

12.01.2026 10:57 von ITS-Schmidt

Masken vom Winterstaub befreit

 

Seit 55 Jahren gibt es die Maskengruppe bei der Fasnetzunft Kornwestheim. Grund genug, den Auftakt ins närrische Jahr ausgelassen im Martinisaal zu feiern.


Sabine Baumert

KORNWESTHEIM
 

Fasnetsmasken verbringen den größten Teil des Jahres im Dunkeln, werden erst zu Beginn eines neuen Jahres von ihren Besitzern wieder ans Tageslicht geholt und wieder zum Glänzen gebracht. Mit ihrem Staubwedel ist die Putzmeisterin auf der Bühne im Martinisaal allerdings viel früher mit dem Frühjahrsputz dran als die sprichwörtliche schwäbische Hausfrau. Als Erstes werden die Masken der kleinen Narren vom Winterstaub befreit. Die beiden Nachwuchs-Hästräger haben Garbenstrickle-Kostüme in kleinen Größen an und lachen mit ihren strahlend frischen Masken fröhlich ins Publikum.

 

„Glücklich preist sich eine Stadt, die solche Narren aufzuweisen hat.“Thomas Holz, Maskenmeister der Fasnetzunft Kornwestheim

Thomas Holz, seit 26 Jahren Maskenmeister im Verein und Moderator des Abends, freut sich darüber, dass die Masken in gutem Zustand sind. „Viele Jahre lang hatten wir einen eigenen Maskenschnitzer“, erzählt er. Nach dessen Tod würden nun externe Schnitz-Experten Reparaturen übernehmen. „Leider gibt es immer mal wieder Schäden an Masken“, bedauert Holz. Zum Beispiel wenn eine Maske unsanft Bekanntschaft mit einer der zahlreichen Glocken am närrischen Gewand der Garbenstrickle macht. Neu zu schnitzen braucht man Masken eher nicht. „Wir haben inzwischen Masken im Fundus. Etwa wenn jemand nicht mehr aktiv ist und die Maske zurückgibt.“

 

„Glücklich preist sich eine Stadt, die solche Narren aufzuweisen hat“, begrüßt der Moderator schon seit 1971 traditionell die Vereinskameraden und die Gäste befreundeter Vereine zum Jahresauftakt. Die Masken-Abteilung der Fasnetzunft kann in diesem Jahr stolz ihr 55-jähriges Jubiläum begehen. „In diesem Jahr wurde unsere Maskengruppe gegründet“, erzählt Moderator Holz. Er selbst trägt Kleidung, die eher an einen Handwerksmeister aus dem Mittelalter erinnert.

 

Die Cannstatter Felben mit ihrer 100-jährigen Tradition sind der Patenverein der Fasnetzunft-Maskengruppe und bieten zur Geburtstagsfeier ihren Tanz in den rot-grün-braunen Kostümen dar. Gratulanten sind heuer aus Kornwestheim unter anderem die Flecka Gwädda in Lila, die Krähen-Hexen in ihren rot-grünen Gewändern mit den weiten Röcken, die Holzbachzotten und der Kornfetz in Schwarz-Gelb mit Ähren. Ganz neu gegründet hat sich eine Hexengruppe aus Waiblingen-Hegnach, und spontan vorbeigekommen ist eine Abordnung der Bietigheimer Stadtnarren, die heuer ihr 40-Jahr-Jubiläum feiern können.

 

Monique Traub ist dort die Häswartin für die lustigen, weiß-roten Kostüme. Während die Masken schlummern, ist ihre Nähgruppe den ganzen Winter über beschäftigt. „Zum Glück habe ich ein großes Wohnzimmer“, lacht die junge Frau. Die Hästräger müssen ihre Garderobe nämlich selbst schneidern. Monique Traub gibt dazu die Tipps und Anweisungen. Und dazu sind beim Landesverband Württembergischer Karnevalsvereine ganz genaue Anleitungen hinterlegt. Einfach drauflosschneidern geht also nicht. „Für die Kinderkostüme gibt es Ausnahmen“, berichtet sie. Die könnten einfach auch untereinander ausgetauscht werden, wenn etwa ein Kind aus seinem Kostüm herausgewachsen ist.

 

Überhaupt fällt auf, dass Feste der Karnevalsvereine immer mehr zu einer Familienangelegenheit geworden sind. Ganze Familien kommen im Häs und schon die Allerkleinsten stapfen auf kurzen Beinchen stolz im Mini-Häs durch die Reihen. Damit verbunden ist wohl auch, dass auf vielen Tischen im voll besetzten Martinisaal neben Bier und Wein oft Apfelschorle oder Fanta steht. Bei den Umzügen fährt vielerorts neben dem Narrensamen im Leiterwagen statt des Bierfässles ein Vorrat an Trinkflaschen mit Limonade oder Mineralwasser mit.

 

Gruselige Elemente – schließlich sollen schaurige Masken eigentlich den Winter vertreiben – steuern die Kornwestheimer Renegades Guggen ganz in Schwarz mit jeder Menge Schlagzeug und den tiefen Tönen fünf mächtigen Sousaphonen bei ihrer rockigen Darbietung bei. Ganz anders präsentieren sich die Gässlesfetzer aus Murr mit ihren prächtigen seidigen Umhängen aus Schwarz, Grün oder Blau. Erfrischend unbekümmert und mit großem Spaß am Musikmachen spielen sie „Ein Hoch auf uns“ und begeistern das Publikum.

 

Verschiedene Garden der Fasnetzunft, die Minis, die blau-weiße Garde, die Aktivengarde und die Zunftgranaten zeigen, dass auch sie in den vergangenen Monaten fleißig gewesen sind und versprechen einen Augenschmaus für die kommende Prunksitzung am Samstag, 24. Januar.

 

Tradition ist inzwischen auch der Schunkelwalzer „Die Fasnet isch schee“, mit dem Markus Kämmle den offiziellen Teil des Abends beschließt.

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