Von Staub und Schmutz befreit

14.01.2020 12:00 von ITS-Schmidt

Die Maskenfiguren gehen frisch gereinigt in die kommenden Wochen.

Mit lautem Glockengeläut und dem Ruf „Guten Abend, liebe Gäste, seid bereit zum Feste“ eröffnete Maskenmeister Thomas Holz das symbolische Maskenabstauben im ehemaligen Casino in der Aldinger Straße. Die gut gelaunte und überwiegend kostümierte Narrengemeinde begrüßte mit stehendem Applaus die Maskenfiguren des Vereins Garbenstrickle, Früchtle und Till. Und die sahen nach der langen Zeit des Nichtstuns ziemlich ramponiert aus. Unter lautem Beifall und kräftigen Narri-Narro-Rufen wurden sie gründlich von Staub und Schmutz befreit. Die putzwütigen Narren entfernten auch Überflüssiges, wie zum Beispiel eine gehäkelte Bettkappe. Bevor die Maskenfiguren wieder ausmarschierten, drehten und zeigten sie sich schön gesäubert von allen Seiten.

Die Gestaltung der drei Masken und Häs sind auf die Gegebenheiten von Kornwestheim abgestimmt worden. Es findet sich darin die Fruchtbarkeit der Landschaft wie auch die Klugheit und Schläue der Bewohner wieder. Das Garbenstrickle in bäuerlichem Gewand und mit schwarzen Stiefeln verkörpert in seiner Gestalt den urwüchsigen Menschenschlag. Im oberen Teil des gelb-blauen Häs sind die Hanfstricke angebracht, die früher zum Abbinden der Garben verwendet wurden. Die bübisch-knitz lachende Holzmaske wird eingerahmt von einer wallend fallenden Haartracht aus Hanf, das Grundmaterial aller Strickle.

Die Weite der Felder und die Fruchtbarkeit der Kornwestheimer Äcker symbolisiert das Früchtle. Es trägt ein Häs aus blauem Leinen mit einem großen gelben Kragen und gelben Rüschen an Armen, Kittelsaum und Hosenbeinen. Bemalt ist das ganze Häs mit einer Vielzahl von Ähren. Die handgeschnitzte Larve in der korngelb gehaltenen Farbe hat das Lächeln des verschmitzten Frohsinns. Die Einzelfigur Till hat der Verein anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Maskengruppe und dem 30-jährigen Bestehen der Fasnet-Zunft 1996 als Symbolfigur der Zunft zum närrischen Leben erweckt – eine freundlich, schelmisch blickende Larve, die im zipfeligen gelb-blauen Narrengewand, ganz im Stil der alten Hofnarren gehalten, die Farben der Stadt Kornwestheim abbildet.

Nach dem Ritual des Maskenabstaubens begrüßten die Maskengruppen fünf neue Mitglieder, die sie unter lautem Beifall in ihren Kreis aufnahmen. Schon im Mittelalter waren während der schwäbisch-alemannischen Fasnet Tänze, Umzüge oder Fastnachtsspiele üblich und so ging es dann im Casino – wenn auch mit zeitgemäßer moderner Schlager- und Unterhaltungsmusik – mit einem bunten Programm von Schau- und Maskentänzen weiter. Dazwischen gab es von der Fasnet-Zunft immer wieder ein symbolisches Narrenvesper für die einzelnen Gruppen.

Flotte Schautänze mit abwechslungsreicher und fantasievoller Choreografie zeigten die Mini-Blitzer unter dem Motto „Unaufhaltbar“ und die blau-weißen Blitzer mit dem Titel „In Zeiten des Mobbings wird alles gut?“. Zugaben tanzen mussten – bejubelt von den Narrenfans – die Blauen Blitzer, die mit einem Malle-Hit besonders gute Laune versprühten, und auch die Zunftgranaten, die im Blaumann mit Gummihammer eine unterhaltsam Tanzkür präsentierten. Die Kornfetz drehten, hüpften und stampften unter Glockengeläut, zeigten dazwischen aber auch moderne Tanzelemente zu fetziger Schlagermusik. Mit Rätschen und unter dumpfen Paukenschlägen und Fanfarenklängen zeigten die Cannstatter Felben einen Militärmarsch, während die Rombala-Hexen in ihrem Maskentanz mit Hexenbesen gewagte Hebefiguren präsentierten und bei der herbeigeklatschten Zugabe gekonnt die Hüften kreisen ließen.

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Sieglinde Stahl

Von Staub und Schmutz befreit, Kornwestheimer Zeitung, 13.01.2020

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